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Niederneisen

Nassauische neue Presse

Mit der Nachmittagsvorstellung war es – was das Publikumsinteresse betrifft – etwas schleppend los gegangen. Leider war die Turnhalle nur halb voll und das Organisationsteam ist um eine Erfahrung reicher: Eine Nachmittagsvorstellung – wenn auch noch die Sonne prall durch die Fenster scheint – vermittelt nicht das rechte Theater-Flair. Darüber wird man nachdenken, meinte Uwe Stotz, zweiter Vorsitzender des MGV und "Mädchen für alles" bei den Theaterspielern. Er kam übrigens vor der Abendvorstellung noch zu Ehren, denn er hatte am Tag der Premiere Geburtstag, seine Feier im Theaterinteresse zurückgestellt, was die Männer vom MGV vor jetzt ausverkauftem Haus mit einem Liedchen für ihn quittierten.

Um es gleich vorwegzunehmen: Ob halb voll oder vollbesetzt, das Publikum kam voll auf seine Kosten. Regisseur Bernd Fuhr hatte in das Lustspiel "Wehe, wenn die Tante kommt" – soweit rollenverträglich – schönes, breites "Nirrernaaser Platt" eingebaut und die Autorin Regina Zimmermann selbst hatte ihr Stück schon als kess bezeichnet. Man kann sich somit denken, dass die Theatergäste gelegentlich "Tränen lachten". Es waren auch alle "notwendigen Figuren" dabei, die ewig nörgelnde, griesgrämige Ehefrau, der Ehemann, der gute Mine dazu macht und im Keller die Kartoffel abstaubt, der etwas "tumbe" Bauer, der aber topfit wird, wenn es gilt, die Tante "abzukochen", die Töchter, die sich gegenseitig die Männer "abstauben" wollen, ein "stocksteifer und lispelnder Anwalt, ein Aufreißer-Typ mit Macho-Gehabe und zwei diebische Elstern aus der Unterwelt von "Kobbelenz". Dazu einiges Lokalkolorit, eine Menge deftiger Sprüche, und die – bei anderen – immer wieder gerne gesehenen, menschlichen Schwächen: Da blüht die Schadenfreude so richtig auf, das "Gaunerherz" überschlägt sich vor Freude: "Theaterherz, was willst du mehr?"

Die Geschichte, wie sie sich sicherlich jeden Tag zutragen könnte: Der Landwirt Willi Müller lebt nach dem Tod seiner Frau alleine mit seinen drei Töchtern, hat bei ihnen nicht viel zu melden, genau so wenig wie Nachbar "Schorsch" bei seiner Frau. Allerdings scheint der etwas beschränkte Willi in Gelddingen eine glückliche Hand zu haben, denn er ist in der Lage, ständig große Anschaffungen zu machen. Als eines Tages ein Brief eintrifft, muss Willi beichten. Die "Kohle" hat er jahrelang von Tante Priscilla aus Australien erschwindelt, die nunmehr ihren Besuch angesagt hat. Sie will sehen, ob ihr Geld, das Willi angeblich für seine Töchter als Mitgift gebraucht hat, gut angelegt ist. Der Haken bei der Sache: Noch nicht eine von Willis Töchtern ist verheiratet. Jetzt wird Willi aktiv und "arrangiert" drei gut funktionierende Ehen. Die rot perückte Tante ist aber die Bar-Dame Lulu aus der Amüsiermeile von "Kobbelenz", bei der Willi im Suff mit seinem Reichtum angegeben hat und die nun mit ihrem "Loddel" angereist ist, um Willi "abzukochen". Gott sei Dank haben die Töchter aufgepasst und entlarven zum Schluss das Diebespärchen.
Den Darstellern, die allesamt – auch die vier Neuzugänge – eine gute, geschlossene Leistung geboten hatten, war langer und dankbarer Applaus sicher.

Ein Lob auch der Technik für das ausgezeichnete Verständnis selbst auf den hintersten Plätzen. Auch die Spielzeit war bei zwei Pausen mit etwas mehr als zwei Stunden gut verträglich. Eigentlich schade, dass die MGV - Truppe mit dem Stück nicht auf Gastspiel geht.

 

Rhein-Lahn-Zeitung

Glücklich verheiratete Töchter:
Der reichen Tante auf der anderen Seite der Erde wird ordentlich was vorgegaukelt, damit sie eine kräftige Mitgift rausrückt. Doch dann kündigt sich der Besuch der alten Dame an, was auf der Niederneisen Bühne zu einem großen Erfolg bei den Zuschauern geführt hat.

Die Theater Tradition lebt: Mit dem Lied "Über den Wolken", dargeboten von dem MGV Niederneisen, schwebte der zweite Vorsitzende des MGV Niederneisen, Uwe Stotz, nicht nur wegen seines Geburtstages es war auch gleichzeitig eine Ehrung des MGV für den Mitinitiator der Wiederbelebung der Tradition. Dadurch lebte die Gepflogenheit der 20er Jahre, Theaterstücke der verschiedenen Ortsvereine in Niederneisen aufzuführen, wieder auf.

Als der MGV 1950 sein 50jähriges Bestehen feiern und einen Wettstreit organisieren wollte, fehlte die finanzielle Grundlage. Die sicherte man sich, indem man sich wieder an die kulturellen Veranstaltungen erinnerte und diese wieder aufnahm. Durch die wirtschaftliche Verbesserung in den kommenden Jahren ging der Trend wieder zurück und die geselligen Veranstaltungen rückten in den Vordergrund. In diesem Jahr lagen die Aufführungen in der Hand des MGV.

Mit" Wehe, wenn die Tante kommt" aus der Feder von Christiane Zimmermann hatten die Laienspieler ein Stück ausgesucht, bei dem das Publikum so richtig nach Herzenslust lachen konnte. Für Komik, Irrungen und Wirrungen war gesorgt und durch die guten Rollenbesetzungen wurde es einfach ein Erfolg.

Hochzeiten vorgegaukelt :
Was stellt ein Landwirt an, der der reichen Tante in Australien seit Jahren die Verheiratung seiner drei Töchter vorgegaukelt hatte, um eine Mitgift zu erschleichen, diese aber für seine Interessen verbrauchte? Das war ein abendfüllender Stoff, um die Lachmuskeln zu trainieren. Von seinen Töchtern, die ein strenges Regiment führen, wird er knapp gehalten, und so schreibt er einen weiteren Brief, der der Tante angeblich den Nachwuchs ankündigt. Eines Tages flattert ein Brief ins Haus ‑ die Tante kommt selbst. Da guter Rat teuer ist, müssen drei Ehemänner her.

War der Vater früher den Bewerbern zweier seiner drei Töchter nicht gut gesonnen, so strich er ihnen jetzt so um den Bart, dass sie sich bereit erklärten die Täuschung mitzumachen. Als dritten Ehemann für seine schwierigste Tochter warb er mit Freibier seinen Nachbarn. Dieser hatte sehr unter seinem "Hausdrachen" zu leiden und tat alles, um das versprochene Bier zu bekommen, Das Schicksal nahm seinen Lauf, als die mondäne Tante samt Chauffeur und Hündchen eintraf. Beinahe hätte diese Dame sogar ihrerseits einen Blankoscheck erschlichen, wenn nicht plötzlich der Inhalt ihres Handtäschchens sie als diebische Elster und als Lulu aus der Bongo Bar entlarvt hätte, der Willi in seinem Rausch von der Erbtante erzählt hatte
Als aber die echte Tante auftaucht, sind alle einer Ohnmacht nahe.

Durch die gekonnte Einstudierung durch Bernd Fuhr und den Feinschliff von Horst Helfrich agierten die Darsteller, dass es eine Freude war. Allen voran Armin Bendel als schlitzohriger und mit Bauernschläue behafteter Landwirt Willi. An seiner Seite der genervte Nachbar Georg (Jörg Dittkrist), der sich nicht gegen seine Xanthippe Hannelore (Cordula Begere) behaupten kann. Da sind natürlich die Töchter: Johanna (Carmen Dreiling-Wolff), die älteste, die sich ruppig und alt jüngferlich gibt, aber ihren lispelnden und tollpatschigen Rechtsanwalt Karl‑Ludwig, köstlich dargestellt von Jürgen Lieber, liebt.
Karin Nicole Schedler, die jüngste Tochter, adrett und modern hat nur Augen für ihren Andy (Sascha Fennig). Auf umwerfend komische Art schlüpfte Silvia Rauner in die Rolle von Tochter Marianne. Als attraktive Dame von Welt zeigte sich Alexandra Holter als Lulu, im Schlepptau ihren Chauffeur (Wolfgang Forst). Und dann die echte Tante: ein kurzer aber wirkungsvoller Auftritt von Martin Debusmann.

Turbulenzen und allerlei Überraschungen gab es bei der Aufführung in Niederneisen am laufenden Band.