Niederneisen: Viel Komik und gekonntes Spiel

Der viele Schnaps im Haus von Jodukus Hastenfloh (Armin Bendel, 2.v.r.)), den Ursula (Alexandra Holter, rechts) ausschenkt, macht auch Handelsvertreter Dieter Pratternack (Alexander Schwarz) und Camilla Salami (Cordula Begere) zu schaffen. Foto: mlk


Niederneisen. Auf der Bühne der Niederneisener Turnhalle wurde am vergangenen Wochenende soviel Alkohol vertilgt, das zumindest Zeitungsreporter Hein (Udo Bieger) «Sodbrennen in den Knien bekam». Doch die «feuchtfröhlichen Gelage» waren alle nur gespielt und Szenen des Lustspiels «Mama ist dagegen – Papa ist dafür», das die Theatergruppe des Männergesangvereins aufführte.

Viele Mamas und Papas aus der Aargemeinde und der Umgebung waren sich anscheinend einig, die die beiden Theatervorstellungen der Laienspieler zu besuchen. Nur so war es möglich, die Turnhalle am Samstagabend und gestern Nachmittag mit jeweils über 500 Besuchern zu füllen. Der Dreiakter von Karl Mertes wurde zu einem großen Erfolg – ein Umstand, den alle erwartet hatten, schließlich ist das Ensemble aus den bisherigen vier Aufführungen (seit ihrer Neugründung) nichts anderes gewohnt.

Die Rollen waren charaktermäßig ausgezeichnet besetzt. Wortwitz und Situationskomik servierten den Theaterfreunden vier amüsante Stunden.

Zum Inhalt des turbulenten Stückes: Privatdozent Doktor Jodokus Hastenfloh (ein glänzend aufgelegter Armin Bendel) ist ein ausgesprochener Pantoffelheld und muss im Weiberkittel alle häuslichen Arbeiten verrichten, angefangen vom Kartoffelschälen bis zum Strümpfestopfen. Seine Frau Friederike (Silvia Rauner) hat nicht nur bildlich die Hosen an, sondern sie trägt im Hause tatsächlich die Hosen von Jodukus, raucht Zigaretten und spielt das «Mannweib».

Dieser Zustand geht der Tochter Johanna (Carmen Dreiling-Wolff) mächtig gegen den Strich. Sie hetzt ihren Vater gegen die befehlsgewohnte Mutter auf. Johanna liebt den Theaterfotografen Egon Tiberius Krümel (Jürgen Lieber) der auch ihrem Vater sympathisch ist. Johanna fordert von ihrem Vater, Zähne zu zeigen und sie nicht nur auf den Nachttisch zu legen. Mutter Friederike ist gegen die Verbindung mit Egon Tiberius. Sie wünscht sich den puddingverliebten Handelsvertreter Dieter Prattenack (ein zur Hochform auflaufender Alexander Schwarz) zum Schwiegersohn.

Ein Familienkrach, bei dem einiges Porzellan in Scherben geht, ist unvermeidbar. Aus Anlass des 50. Geburtstages von Jodokus kommt es zu einem Gelage, das von der Hausangestellten Ursula (Alexandra Holter) vortrefflich arrangiert wird. Zu dieser Geburtstagsfeier hat sie auch ihre Freundin Camilla Salami (Cordula Begere) eingeladen, deren Namen dem Geburtstagskind ebenso erhebliche Schwierigkeiten bereitet, wie der Nachname des «ungeliebten Schwiegersohnes» Prattenack.

Jodokus bedient sich bei den Anreden der beiden immer wieder anderer Ausdrücke, die das Publikum zu Lachsalven reizt. Als der Höhepunkt der Stimmung erreicht ist, finden sich unvermutet weitere Gäste ein. Der Schwager von Jodokus, Gottlieb Fletschenbein (Jörg Dittkrist), die Schwester von Friederike namens Christine (Karin Philipps) und deren Freundin Gertrude (Eugenie Schlicht). Alle bringen Jodokus, der ständig das Erscheinen seiner Friederike fürchtet, ein Ständchen. Es kommt zu einem neuen Familien Krach. Jodokus wie auch Frederike quartieren sich aus.

Auch Johanna, die ihren Geliebten dabei überrascht, wie er Ursula küsst, will umquartieren. In der vereinsamten Wohnung bleibt nur Ursula allein zurück. Aber nicht lange. Ihr Schatz, der mit allen Wassern gewaschenen Zeitungsreporter Heinz Findig (Udo Bieger), steigt durch das offenstehende Fenster in die stille Wohnung, um seine Braut zu überraschen. Doch das Alleinsein findet nicht statt, denn nacheinander trudeln die rechtmäßigen Wohnungseigentümer und auch Dieter, Egon, Gertrude, Christine und Camilla wieder ein. Hein übernimmt die Regie in dem Chaos und dreht mit einem «Kofferverwirrspiel» alles zum Guten.

MGV-Vorsitzender Frank Becker bedankte sich nach dem Schlussvorhang bei den Schauspielern und holte auch alle Akteure, die hinter den Kulissen agierten, auf die Bühne: Elke Biedron (Souffleuse), Dieter Preußer (Technik), Annemarie Michel (Maske) und Bernd Fuhr (führte gemeinsam mit Udo Bieger Regie). mlk