Printausgabe vom 29.11.2004
Viel Beifall für turbulente Komödie


Niederneisen. Durch die Wohnung dröhnt Beethovens «Freude, schöner Götterfunken», aufgemischt von lautem Rock. Drei Mal ruft jemand «Ruhe!», dann stürzen Vater und Sohn ins Wohnzimmer, der Vater mit Geige, der Sohn mit Gitarre im Arm. «In diesem Haus herrscht Beethoven», verkündet der Vater. «Das Haus stürzt noch ein», sorgt sich die Mutter. Die Schwiegermutter verteilt kräftig Bosheiten. Der Opa – ein Altrocker in Lederhose und mit Piratentuch – hält zum Enkel, die Nachbarin beschwert sich über den Krach, die Tochter ist schwanger, die Tante strickt und der Vater unterhält unter falschem Namen eine heimliche Beziehung: So turbulent und viel versprechend beginnt Horst Helfrichs Komödie «Heavy Beethoven».

Ein zwei Mal total ausverkauftes Haus bescherte die Aufführung in der Turnhalle dem Veranstalter, dem MVG Niederneisen und seiner Theatergruppe. Bei seiner Begrüßung der Besucher sprach Frank Becker, Vorsitzender des MGV, von der Theatertradition des MGV, die man nach 40 theaterlosen Jahren im Jahr 2000 mit der Aufführung von «Turbulenzen im Vier-Mädel-Haus», 2002 gefolgt von «Wehe, wenn die Tante kommt», erfolgreich wieder habe aufleben lassen.

Die glänzend aufgelegte 13-köpfige Schauspielertruppe heizte die Stimmung und Begeisterung im Publikum mit immer neuen Gags an, Pointen und Kalauer folgten Schlag auf Schlag, die herrlich komischen Auftritte wurden mit Szenenbeifall, Pfiffen und Gelächter belohnt. Mit den Worten: «Nur Fledermäuse lassen sich hängen», muntert der urige Opa die Familie auf, und zur Hochzeit seiner schwangeren Enkelin hat er auch eine Meinung: «Mein Gott, macht ihr ein Geschiss, das ist ja schlimmer als bei der Krönung von der Lisbeth.»

Der neue Schwiegersohn, der am liebsten das Kufsteinlied hört, weiß immerhin, dass Beethoven den «Faust» geschrieben hat. Wenn die Nachbarin, die zu allem und jedem in schönstem Nassauer Platt ihren Senf dazu gibt, uneingeladen ins Zimmer kommt, fällt jedes Mal die Gardine runter, und die Schwiegermutter hat ihre eigene Meinung zu den Männern: «Männer sind wie Zwiebeln. Schale um Schale pellst du ab, und was dann raus kommt, das ist zum Heulen.»

Die Frauen tragen Söckchen in ihren Pumps, der Bräutigam trägt zur Hochzeit den alten Anzug vom Papa auf, und der zerstreute Professor hat nicht nur zwei verschiedene Socken, sondern auch noch einen braunen und einen schwarzen Schuh an. Den Professor hat die Mutter zu Hilfe geholt, um den Frieden in der Familie wiederherzustellen, aber mit ihm gerät die Konfusion auf ihren Höhepunkt: Er redet sie konsequent mit «liebe Frau Beethoven» an, und das «heimliche Verhältnis» des Ehemannes hält er erst für Eva aus dem Paradies, allerdings ohne Feigenblatt, und dann für Katharina die Große. Der Professor muss von Vater und Sohn schließlich selbst auf die Couch befördert werden. Mit einem kleinen Schlussgag endet das Stück: Vater und Sohn streiten wieder, aber mit vertauschten Rollen – der Vater als Rockfan, der Sohn als Beethovenenthusiast.

Mit viel Beifall, vielen «Vorhängen», Bravorufen und Begeisterung wurden Auftritt und Einsatz der ganzen Theatergruppe, der Regie, der Schauspieler und der Helfer im Hintergrund, vom Publikum belohnt. Horst Helfrich, der Autor des Stücks, führte auch selbst Regie.
Die Darsteller waren: Armin Bendel (Vater), Carmen Dreiling-Wolf (Mutter), Jakob Kaliszewski (Sohn), Alexandra Holter (Tochter), Silvia Rauner (Schwiegermutter), Martin Debusmann (Opa), Nicole Schedler (Tante), Jürgen Lieber (Professor), Jörg Dittkrist (Schwiegersohn), Beate Scheid (seine Mutter), Annemarie Michel (Verhältnis), Karin Philipps (Nachbarin) und Barbara Stock (Organistin). (eeg)