Printausgabe vom 08.05.2006
Beim turbulenten „Quartett im Doppelbett“ blieb kein Auge trocken


Niederneisen. Die Theatergruppe des Männergesangvereins Niederneisen hat mit ihrer Inszenierung des Lustspiels «Quartett im Doppelbett" von Wilfried Reinehr am vergangenen Wochenende Maßstäbe für Laientheatergruppen gesetzt. Die beiden Vorstellungen am Samstag und Sonntag haben jedenfalls bewiesen, dass auch Hobbydarsteller durchaus in der Lage sind, auf einem angenehm hohen künstlerischen Niveau ihr Publikum zu unterhalten.

Bei dem typischen «Tür-auf-Tür-zu-Dreiakter» waren die Lacher selbstverständlich, auch wenn dem von Armin Bendel gespielten Hauptdarsteller in seinem selbstverschuldeten Chaos eher zum Weinen zu Mute war. Bendel spielte den Frauenhelden Max Hansen, dessen Vorliebe eigentlich Stewardessen sind und der deswegen in arge Bedrängnis kam, mit überraschender Glaubwürdigkeit. Der Möchtegern-Playboy, dem finanziell das Wasser bis zum Hals stand und der deshalb eine Liaison mit der betuchten Boutiquebesitzerin Luise von Alben (Barbara Stock) anstrebte, kam total aus dem Schritt, weil auch bei Stewardessen einmal ein Flug abgesagt werden kann. Das Ende vom Lied war leicht zu erahnen: In der Wohnung tauchten bald alle Frauen auf einmal auf. Das Erschrecken war groß.

Der gute Freund Werner Baldauf (Udo Bieger), den gerade seine Freundin Karola Bitter (Cordula Begere) aus der Wohnung geworfen hatte und der Obdach bei Max suchte, entdeckte die Stewardess Biggi (Carmen Dreiling-Wolf) nackt in der Badewanne. Dabei sollte Biggi doch eigentlich in Singapur sein. Dann tauchte auch noch Steffi (Alexandra Holter) auf, das Durcheinander war perfekt und der gute Max dem Nervenzusammenbruch nahe.

Solch eine turbulente Geschichte verlangt vor allem nach einer temporeichen Inszenierung, und gerade da konnten die Akteure überzeugen. Unter der Regie von Bernd Fuhr und Udo Bieger waren die Dialoge gut getimt, die Darsteller fanden sich in ihren Rollen super zurecht. Das galt auch für die Nebenrollen. Silvia Rauner etwa mimte die treue Putzfrau Berta Brösel, die das Lotterleben von Max mit Entsetzen beobachtete und die Entwicklung im Hause eher pragmatisch sah: ziehen mehr Leute in die Wohnung, dann könnte ja der Lohn erhöht werden. Der «pfefferminzlikörbeschwipste» Hausmeister Gustav Miesmann (Jürgen Lieber) verliebte sich in Berta, der als Moralapostel auftauchende Bruder von Max, Hans Hansen (Jörg Dittkrist), wurde kurzerhand verführt, und Lore Hansen (Karin Philipp), die Mutter von Hans und Max, bewahrte in dem allgegenwärtigen Chaos immer die Kontenance.

Zu einer gelungenen Inszenierung gehört aber mehr. Das Bühnenbild wurde detailgenau eingerichtet, und auch bei der Übertragung der Sprache gab es nur Pluspunkte zu verteilen: Das gesprochene Wort war überall in der Turnhalle deutlich zu verstehen, da ging keine Pointe verloren.

Mit dieser Leistung kann sich die Niederneisener Theatergruppe des MGV, die sich nach einer langen Tradition (nachweislich wurden bereits in den 20er Jahren Theaterstücke, Singspiele und Operetten von verschiedenen Ortsvereinen aufgeführt) im Jahre 2000 wieder neu formierte, mit mancher Profi-Volkstheatergruppe messen.

Bereits jetzt darf man sich auf die nächste Vorführung in zwei Jahren freuen. (rpk)